1933-1945

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Nach dem Luftangriff am 22.3.1945
Tafel auf dem "Russenfriedhof". Er liegt auf früher Wulfener Gebiet. Dort sind auch Ostarbeiter der Muna beerdigt.
Sowjetischer Gedenkstein daneben
Titelseite der Zusammenstellung auf der DVD "Jahre der Kriegslast und der Veränderung" (Heimatverein 2006) mit Angaben zu 148 Toten.
Soldatengräber
Vor 70 Jahren : Die Bombardierung von Wulfen, Dorsten, Schermbeck, Haltern und Dülmen steht im Zusammenhang mit der "Operation Plunder" (23.-27.3.) : nach der bekannten Brücke von Remagen gelingt den Allierten bei Wesel die zweite Rheinüberquerung mit der größten Luftlandeoperation des 2. Weltkrieges. Das Foto zeigt den britischen Premier Winston Churchill am 25.3. auf der rechten Rheinseite bei Wesel. Am 28.3.45 ziehen um 17.30 Uhr amerikanische Truppen in Wulfen ein. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Plunder
Zum 70. Jahrestag des Kriegsendes : Tafeln am Ehrenmahl nennen die vielen getöteten Wulfener Soldaten und Zivilisten. Hinzu kommen noch die ermordeten jüdischen Wulfener, die Opfer unter den zahlreichen Zwangsarbeitern in der Muna, ermordete allierte Flieger, Verletzte, Traumatisierte, ...
Der 8. Mai 1945 bildet die Zäsur zur NS-Diktatur. Nach schwierigen Nachkriegsjahren erfolgte dann mit der Verkündigung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 der Übergang zu unserem freiheitlich-demokratischen und sozialen Rechtsstaat.

Auf dieser Seite sollen Hinweise zu den Quellen über die NS-Zeit gesammelt werden.

Dorsten unterm Hakenkreuz

Band 1: Die jüdische Gemeinde
In dem Text über die jüdische Gemeinde 1853 bis 1932 wird die Familie Moises in Wulfen dargestellt (S. 19 f.); ie Beschreibung des jüdischen Friedhofs Wulfen (S. 32 f., S. 36); die Wulfener Familie Lebenstein (S. 67); die Familie Moises (S. 68 f.); Bericht über die Erinnerungen von Josef Moises (Haifa) an seine Wulfener Zeit (S. 86 ff.).

Band 2: Kirche zwischen Anpassung und Widerstand
Hitlerjugend und BDM-Mitglieder nahmen in Wulfen an der Christenlehre teil (S. 57); Brief von Josef Moises aus Israel (S.172); über die Verwüstung des Wulfener jüdischen Friedhofs 1938 (S. 182); Adele Moises als Schützenkönigin des Schützenvereins Wulfen 1930 (Foto S. 180); Herrmann Lebenstein in der Wulfener Feuerwehr (Foto S. 181).

Band 3: Der gleichgeschaltete Alltag
Über die NSDAP-Ortsgruppe Wulfen (S. 67); FAD-Arbeitsdienstlager (S. 95); RAD-Lager „Ludwig Knickmann“ Deuten-Wulfen (S. 99 ff.).

Band 4: Dorsten nach der Stunde Null – Die Jahre danach In diesem Band wird u. a. die Einnahme von Wulfen 1945 durch die Amerikaner geschildert (Seite 41); die Beschlagnahme von Häusern, beweglichem Eigentum und Vieh durch die Amerikaner (S. 42 f.); Plünderungen befreiter Ostarbeiter (S. 58 f.); Totschlag in der Muna 1945 (S. 65);

Chronik

Das Buch Wulfen - Geschichte und Gegenwart enthält eine Chronik, wovon das Kapitel auf den Seiten 88-94 "Nationalsozialistische Zeit / 2. Weltkrieg" heißt.

NSDAP

Am 30. Januar 1934 wurde der Stützpunkt Wulfen zur Ortsgruppe erhoben. Zuerst war Scholaster Ortsgruppenleiter (bisher Ortsgruppe Herrlichkeit). Kurze Zeit darauf kam Förster Alfred Hohmeyer (Mitglied-Nr. 2.474.999) an die Spitze der Ortsgruppe. Rangältester SA-Führer am Ort war Truppführer Hermann Roth. In der Wirtschaft Altegoer fanden die Parteiversammlungen statt. Das war 1945 der Anlass für die Amerikaner, das Haus Altegoer zu beschlagnahmen.

Am 15. Mai 1933 gründeten Wulfener Frauen unter Leitung der NS-Frauenführerinnen von Hervest-Dorsten und Gladbeck in der Gaststätte Humbert eine Ortsgruppe der NS-Frauenschaft, deren Leiterinen Frau Sicking, später Frl. Börding wurden. Sämtliche anwesende Frauen, es waren nicht mehr als zehn, erklärten ihren Beitritt. Im November versammelten sich Frauen aus den Bauerschaften Brosthausen, Sölten, Deuten bei Grewer und gründeten eine „Zelle Deuten der NS-Frauenschaft Wulfen“. Von 60 erschienenen Frauen ließen sich sofort 43 als Mitglieder registrieren. „Sogar eine 75-jährige Dame wünschte ihre Aufnahme“, ist der „Dorstener Volkszeitung“ zu entnehmen. Der Mitgliederstand der NS-Frauenschaft in Wulfen stieg 1934 somit auf 55 Frauen.

Die Gemeinde übergab der Partei im Juli 1935 das alte Schulhaus als HJ-Heim und NSDAP-Geschäftsstelle. 1936 fand in der Ortsgruppe Wulfen, wie in allen Ortsgruppen der Region, eine Neueinteilung statt: Die Partei bestand nunmehr aus zwei Zellen und zwölf Blocks. Der Führungsstab bestand aus Ortsgruppenleiter Hohmeyer, seinem Stellvertreter Inhester, Propagandaleiter Lehrer Lippick und Ortsbauernführer Tüshaus.

Wörtlich aus: Dorsten unterm Hakenkreuz - Online


Ortsgruppenleiter Paul Lippik

Mehrere Wulfener Bürger baten in einem Schreiben an den Unterausschuss, sich dafür einzusetzen, dass der Lehrer und frühere Wulfener Ortsgruppenleiter der NSDAP, Oberamtsleiter der NSV und Propagandaleiter Paul Lippik, aus dem Internierungslager entlassen werde, da er nach deren Meinung seinen Posten „loyal verwaltet“ habe „und in keiner Weise gehässig hervorgetreten“ sei. Ein Unterausschussmitglied bezeugte, dass Lippik von Schulrat Brock unter Druck gesetzt worden sei, um die ihm angetragenen Parteiämter anzunehmen. Lippik selbst gab an, dass er aus Angst, wieder in den Osten abgeschoben zu werden, wo er herkam, 1933 in die Partei eingetreten sei. Lippik wurde 1948 in die Stufe IV (ohne Vermögenssperre) eingereiht. Der Unterausschuss empfahl eine Wiedereinstellung als Lehrer, aber nicht mehr in Wulfen.
Wörtlich aus: http://www.dorsten-unterm-hakenkreuz.de/2012/05/28/entnazifizierung-iii-waren-nsdap-ortsgruppenleiter-keine-nazis-%E2%80%93-fallbeispiele/

Bürgermeister

1933/34 Gemeindevorsteher Landwirt August Rickert

1934 Gemeindevorsteher Landwirt Johann Schulte Spechtel (Ab 1935 mit dem Titel "Bürgermeister). Stellvertreter Förster Hohmeyer.

1940 Brauereibesitzer Emil Rose

Gemeindevertetung

Quelle: Auflistung im Archiv des Heimatbundes "Gemeinde Vetretung Wulfen [1897-1945]"

3.4.1933 - 26.2.1934 Vorsteher: Rickert, Stellv.: Schulte Spechtel
Urban, Hemker, Tüshaus, Rose, Koch, Timmermann, Schulte Bockholt, Wolthaus

26.2.1934 Vorsteher: Schulte Spechtel
Homeyer, Rose, Wolthaus, Timmermann, Tüshaus, Hemker, Schulte Bockholt, Urban, Roth

26.2.1935: Schilaski

21.10.1935 Schulte Spechtel (Bürgermeister), Homeyer (1. Beigeordneter), Giepen (2. Beigeordneter)
Rose, Schulte Bockholt, Grewer, Neukirchen, Dehling, Köllmann, Wolthaus, Menne

ab 24.9.1935 Dammann

ab 14.3.1939 Otto

ab 4. Juli 1940 Rose mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Bürgermeisters beauftragt


Katholische Kirche

Sehr lesenswert ist der umfangreiche Beitrag "Katholische Arbeiter im Dekanat Dorsten: 1933 bis 1935" von Christoph Kösters, abgedruckt in "Rhade - Beiträge zur Geschichte" Bd.1 (1989), S.60-94. Wulfen kommt darin nur selten direkt vor, aber die Verhältnisse werden dort wie hier ähnlich gewesen sein. Der Verfasser beklagt die desolate Quellenlage.

Juden

  • Das Buch "Jüdisches Museum in Westfalen" von Wolf Stegemann (1992) enthält auf S.49 ein Foto von zwei Aufenthaltserlaubnissen für Juden in Wulfen aus dem Jahre 1703, von Josef Moises dem Museum geschenkt.
  • Brief des Herrn Josef Moises aus Haifa/Israel vom 5.2.85 an Herrn Hinzmann. Heimatkalender 1986, S.229

RAD-Lager

Reichsarbeitsdienst-Lager : Hitler kam beinahe zur Eröffnung

Zwangsarbeiter

Große Arbeitslager in Wulfen

In Wulfen gab es mehrere Ostarbeiterlager (Gemeinschaftslager, Amann-Lager, Lager Deuten), über die bislang nicht viel in Erfah­rung zu bringen war. Auf dem Gelände der Heeresmunitionsanstalt (Muna) waren in ei­nem so genannten Gemeinschaftslager mehr als 600 russische und polnische Ostarbeiter/innen untergebracht. Lagerführer (für „Auf­sicht und Kontrolle“) war der Hervest-Dor­stener SA-Mann Ferdinand Aßmann, der im März 1945 drei englische Kriegsgefangene tötete und nach dem Krieg in einem Gefängnis der Engländer Suizid begangen haben soll.

Alle bei der Muna beschäftigten Ostarbeiter stehen namentlich genannt mit Geburts-, Einstellungs-, Entlass- und Lohngruppenda­ten in den erhalten gebliebenen Personalli­sten. Der Stundenlohn betrug zwischen 36 und 52 Pfennigen. Interessant ist die Spalte „Entlassen“. In ihr ist vermerkt, wer geflo­hen und wieder eingefangen oder wer in das Straflager der CWH nach Marl-Hüls über­stellt worden war.

Kasimierz Tokarski erhängte sich am 26. Au­gust 1942 auf dem Bauernhof in Wulfen, auf dem er arbeitete. Der 34-jährige Michel Oleynikow (Pole) starb am 15. Juni 1942 durch Bauchschuss. Am 31. August 1942 wurde der aus dem Lager der Eisengießerei entflohene Russe Anton Egorow in Wulfen „auf der Flucht erschossen“. Iwan Cimbal, geboren am 20. September 1922, wurde am 6. Juli 1944 wegen „Gehor­samsverweigerung“ erschossen. Die Beerdi­gung fand einen Tag später auf dem Wulfener Friedhof statt. Am 29. Dezember 1944 kamen um 11.45 Uhr bei einem Explosionsunglück 13 russische Männer und Frauen zu Tode. An Spiritusvergiftung starb am 30. März 1945 der Pole Alphons Karezewski (34) auf einem Bauernhof in Wulfen. Er wurde im Garten begraben. Die Liste ließe sich fort­setzen.
http://www.dorsten-unterm-hakenkreuz.de/2012/05/28/fremdvolkische-arbeiter-und-kriegsgefangene-in-dorstener-betrieben-totgeschlagen-und-im-heizungskessel-verbrannt/

Krieg

Die Muna entstand ab 1938 zur Vorbereitung des verbrecherischen Angriffskrieges. Viele Zwangsarbeiter wurden hier eingesetzt.

148 Wulfener wurden im Krieg getötet. Heinrich Grewer hat Angaben zu diesen Menschen gesammelt, die vom Heimatverein als Anlage auf der DVD "Jahre der Kriegslast und der Veränderungen - Chronik 1938 - 1975" veröffentlicht worden sind.

Südlich der Muna in der Gälkenheide gab es im Krieg eine sehr große und am Bückelsberg eine kleinere Flak-Stellung zum Schutz des Ruhrgebietes und seiner kriegswichtigen Industrie wie die Hydrierwerke Scholven und die Bunawerke Hüls. Deren Lage zeigt ein Luftbild von 1940 im Buch Wulfen - Geschichte und Gegenwart auf S.298 . Auf dem Foto ist auch das Reichsarbeitsdienst-Lager, die Muna und deren Arbeiter-Barackenlager markiert.

Mord an Kriegsgefangenen 25.3.45 : Dorstener ermordeten 1945 in Wulfen drei alliierte Flieger – nach dem Krieg verübten die Täter im Gefängnis Selbstmord


Literatur

  • Opfer des Weltkrieges 1939/45 aus und in der Gemeinde Wulfen [einschl. der Opfer eines Luftangiffes auf einen Zug und der Explosion in der Muna] / Theodor Küper. Heimatkalender 1960, S.47-54
  • Tewes, Ludger: Jugend im Krieg - Von Luftwaffenhelfern und Soldaten 1939-1945 [im Gebiet Dorsten/Bottrop]. Erschienen 1989. Wulfen ist mehrfach erwähnt, Lageskizze der Großbatterie auf S. 230. Vorhanden in der Stadtbibliothek EMP616 Tew.
  • "Nachforschungen zu einem Flugzeugabsturz / -abschuss am 1. Mai 1943 in Wulfen" von Walter Biermann, Willi Duwenbeck, Alfred Gebauer. Heimatkalender 2007, S.206-209
  • Eine Liste der Bombenangriffe auf die Herrlichkeit und Dorsten ist wiedergegeben im Heimatkalender 2012 auf S.71 ; am 22. März 1945 wurden Dorf und Kirche schwer getroffen.
  • Dorsten - März 1945 : die militärischen Ereignisse im Umfeld der Stadt Dorsten / WA (=Werner Andrejewski). in: Holsterhausener Geschichten Bd. 3 (2006) S.40-52
  • Der Russenfriedhof gegenüber dem Kommunalfriedhof : "Sie starben wie die Fliegen" / Wolf Stegemann. in: Holsterhausen unterm Hakenkreuz (Bd. 1) S.60-61

Kriegsende

Am 22. März 1945 wurde Wulfen bombardiert (23 Tote und Zerstörung der Dorfmitte)

Am 25. März wurden in Wulfen 3 allierte Flieger ermordet, siehe Dorsten unterm Hakenkreuz


Am 28. März wurde Wulfen erobert/besetzt/befreit


Nachkriegszeit

Viele Dokumente sind im Heimatkalender 1986 auf den Seiten 46 bis 70 reproduziert worden. 10 davon haben einen Bezug zu Wulfen.

Die NS-Zeit in der Region

Auf die Reihe "Dorsten unterm Hakenkreuz" wurde schon oben verwiesen. Sehr interessant sind folgende Veröffentlichungen über die Nazi- und Kriegszeit in mit Wulfen vergleichbaren kleinen Orten in der Umgebung:

  • Erler Schulchronik 1933-1944 von Fritz Sagemüller. Hrsg. und kommentiert vom Heimatverein Erle 1994, 244 S.
  • Jahre die man nicht vergisst : 1939-1946. Tagebuchberichte, zusammengestellt von Adalbert Friedrich, Hrsg. Heimatverein Raesfeld 1982, 214 S.
  • Chronik der Gemeinde Altschermbeck 1934-1945 / [Original vom Lehrer Franz Grunewald, ergänzt von] Ludwig Brüggemann. 1995. (Schermbecker Hefte ; 3)

Weblinks

Siehe auch