NSDAP Parteimitglieder der Ortsgruppe der Gemeinde Wulfen

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Die NSDAP in Wulfen vor 1933

Wulfen, wie fast das ganze Münsterland, wählte vor 1933 sehr katholisch und konservativ. Beispielsweise erhielt das katholische Zentrum bei der Reichstagswahl im Juli 1932 in Wulfen 61 % (im Reich 12 %), die DNVP 13 % (6 %), die NSDAP 14 % (37 %). Siehe https://wulfen-wiki.de/index.php?title=Wahlergebnisse#Reichstagswahlen_1919-1933
Laut der Mitgliederliste gab es hier nur zwei "Alte Kämpfer", die schon vor der Machtergreifung am 30.1.1933 eingetreten waren.

Mitgliederliste

Im Archiv des Heimatbundes befindet sich in einem von Heinrich Schwingenheuer zusammengestellten Ordner das vierseitige Dokument "Parteimitglieder der Ortsgruppe der Gemeinde Wulfen". Es handelt sich um einen Durchschlag, es ist nicht datiert und trägt keinen Bearbeiternamen. Dass die Frage der NSDAP-Mitgliedschaft nach 1945 ein wichtiges Thema war, zeigt das "Aktenverzeichnis der Gemeinde Wulfen nach dem Stande vom 25. Juni 1946", welches den Punkt "33.) N.S.D.A.P. Mitgliedschaft" enthält.

Heinrich Schwingenheuer (1879-1955) war Rendant des Amtes Hervest-Dorsten und auch Geschäftsführer des Heimatbundes der Herrlichkeit Lembeck. Nach dem Ende der NS-Diktatur war er 10 Monate bis Juni 1946 der von der Besatzungsmacht eingesetzte Bürgermeister Wulfens. Wahrscheinlich hat er selbst diese Liste im Auftrag der Briten erstellt, weil ehemalige Parteimitglieder zu dieser Zeit keine öffentlichen Ämter ausüben durften.

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Auswertung der Liste

136 Namen = 6 % der Bevölkerung (1940: 2.203 Einwohner)

Nur 2 "Alte Kämpfer" = Eintritt schon vor dem 30. Januar 1933, also ganz überzeugte Nationalsozialisten

54 "Märzgefallene" = Eintrittsdatum 1.5.1933 : Nach der Machtübernahme und der Märzwahl gab es im ganzen Reich eine riesige Eintrittswelle. Es waren so viele, dass vom 19.4.33 vier Jahre lang reichsweit ein Aufnahmestopp(!) verhängt wurde und die Parteizentrale auch organisatorische Probleme mit der Antragsbearbeitung hatte. Deshalb ist diese Gruppe pauschal mit Eintrittsdatum 1.5.33 geführt worden.

25 Funktionträger (mit "Amt in der Partei")

15 Frauen

3 SA-Männer

1 SS-Mann

Anmerkung: Liste enthält auch Deutener, da Deuten bis 1975 Teil von Wulfen war

Die Liste ist vermutlich nicht ganz vollständig, z.B. ist Leo Schwingenheuer (Eintritt 1.9.38, Mitgliedsnummer 7037038) nicht aufgeführt.

NSDAP-Mitglieder-Reichskartei

Im März 2026 wurde in allen Medien über die Online-Stellung der Mitgliederkartei berichtet. Die reichsweite Mitgliederkartei ist zu 80-90% erhalten. Sie wurde in den 90er Jahren mikroverfilmt und im März 2026 vom Nationalarchiv der USA online zugänglich gemacht. Deren Server ist oft überlastet, die Suche umständlich. Die Angaben sind sehr spärlich. Für (weitergehende) Auskünfte aus dem Bundesarchiv ist dort ein Antrag zu stellen.


Suchtipps (Quelle: RBB24)
Die Datenbank der National Archives aufrufen [catalog.archives.gov] - kostenlos und ohne Anmeldung
Namen im Format "NACHNAME, VORNAME" in Anführungszeichen eingeben – auch umgekehrt und ohne Komma testen. Wichtig sind die Anführungszeichen.
Geburtsdatum ergänzen (Format "TT.MM.JJ"), Zahlen erkennt die Datenbank zuverlässiger als Namen
Wohnort oder Straße zusätzlich eingeben, z. B. "NACHNAME, VORNAME ORT"
Bekommt man einen Treffer, öffnet sich ein in der Regel Tausende Seiten langes PDF. In der Spalte rechts werden oft einzelne Seiten mit passenderen Treffern angezeigt. Gucken Sie die durch, statt alles manuell durchzuscrollen
Aber: Auch Nachbarseiten prüfen, also weiter vorne und hinten - zugehörige Fotos oder weitere Einträge erscheinen oft ohne Namen
Bei Misserfolg: Datensätze einzeln durchsuchen (und dabei viel Geduld mitbringen). Grobe Orientierung: Der erste Buchstabe der Kennnummer (zum Beispiel H0001) gibt Hinweis auf Anfangsbuchstaben des Nachnamens


Suchanleitung siehe https://www.reddit.com/r/de/comments/1rpz0cj/suchanleitung_nsdapmitgliedskartei_oc/

Entnazifizierung

Zitat: "Auf Beschluss der alliierten Bestzungsmächte wurden ab 1946 in allen vier Besatzungszonen Entnazifizierungsverfahren durchgeführt. Deren Ziel war es, NS-belastete Personen zu identifizieren, um sie fortan von öffentlichen Ämtern fernzuhalten. Soweit die Theorie. Da aber die Auseinandersetzungen des Kalten Krieges die weltpolitische Lage zunehmend bestimmten, wurde die Entnazifizierungspraxis zumindest in den westlichen Zonen offenbar zunehmend laxer gehandhabt – manche sprechen auch von einer Farce. Über 80 Prozent der Belasteten wurden jedenfalls in die „harmlosen“ Kategorien 4 (Mitläufer) und 5 (Unbelastete) eingestuft. Auch wenn die zuständigen Kommissionen aus unbelasteten Deutschen bestehen sollten, kann man doch vereinfachend sagen: Hier urteilten Angehörige des Täter-Volks über Täter mit dem Ziel, sie möglichst zu Nicht-Tätern zu erklären."
Quelle: Benedikt Hotze https://blog.hotze.net/?p=6717

Seit 2023 sind die Entnazifizierungsakten aus NRW online vom Landesarchiv online verfügbar gemacht worden, einschließlich der "Persilscheine". Einfach in der Suchmaske von archive.nrw den Namen mit Geburtsdatum eingeben. Falls der Geburtstag nicht bekannt ist, hilft der Zusatz der generellen Entnazifizierungs-Bestandsnummer 1039 weiter: z.B. "Paul Lippik 1039"

Weblinks

National-Zeitung 24.02.1940

Siehe auch