Historische Grenzsteine
















Zwischen Wulfen und Lippramsdorf verlief bis 1975 eine rund 3 km lange schnurgerade Grenze, was in der Region ungewöhnlich ist. An der nordöstlichen Ecke steht eine alte, bekannte Grenzsäule (1) mit verwitterten Einkerbungen, deren Bedeutung nicht bekannt waren und auf der NW-Seite durch Verwitterung auch kaum erkennbar sind. Alle drei bestehen aus lokalem Sandstein der Hohen Mark, der sich nicht gut bearbeiten lässt.
2025 sind zwei weitere Steine bekannt geworden, die auch auf der historischen Grenze stehen (2) bzw. standen (3). Nr. (2) ist auf der NW-Seite so gut erhalten, dass dadurch das Muster bestimmt werden konnte.
Die Grenzsteine zwischen Wulfen und Lippramsdorf (Grenze vor 1975)
von Nord nach Süd:
1. Der Große Stein bei Uhlenbrock
Zwischen Badde (früher Schulte Bockholt) und Uhlenbrock. Höhe 1,20 m über dem Boden, vollkommen freistehend, auf der Westseite stark verwittert. Besonderheit: es gibt Markierungen an drei Seiten, was sich durch die Position an einem Grenzknick erklärt.
2. Stein bei der Frankenstraße
60 cm über der Oberfläche, 40 cm breit, 30-35 cm tief. War (2025) vollkommen zugewachsen. Gut erkennbare Markierungen auf der Westseite, Ostseite schlechter.
3. Der Mergen'sche Stein
Befindet sich 2025 auf dem Hof Mergen, also micht mehr am Originalstandort. Mit gut erkennbarem Wappen. Maße 100 x 40 x 40 cm. Besonderheit: schmaler Fuß.
4. Der "Dicke Grenzstein"
am Grenzknick Ostendorp'sche Kamp. 3/2002 wurde der Stein aufgegraben, siehe Fotos von Duwenbeck. 90 cm tief, ohne Markierungen, ragte nicht heraus. Wurde er damals entfernt?
5. Gedenkgrenzstein
am Gemeindedreieck Hervest/Wulfen/Lippramsdorf (2006 aufgestellte Basaltsäule, siehe Seite "Grenzen" )
Bedeutung der "Einkerbungen"
NW-Seite (Wulfen)
Erkennbar sind drei Vertiefungen, auf (1) und (3) rund, wohl eine Folge der Verwitterung. (2) lässt dagegen Rechtecke erkennen sowie eine feine Randlinie. Dieses Muster ist Christian Gruber aus dem Hertener Stadtwappen bekannt, wo es den Stadtteil Westerholt repräsentiert und vom Wappen der Herren von Westerholt stellt. Und tatsächlich waren die Herren von Westerholt von 1526-1708 die Besitzer der Herrlichkeit Lembeck. Das Schachbrettmuster ist auch auf dem Schloßportal mit zu sehen (siehe Foto).
Als schriftlicher Beleg für die Grenzziehung wurde im Buch "Der Raum Lippramsdorf" eine Quelle gefunden, die 1564 als Jahreszahl angibt (siehe "Archivalischer Beleg") und die Namen der Beteiligten nennt.
SO-Seite (Lippramsdorf)
Da es sich um eine Grenzmarkierung aus feudalistischer Zeit handelt, muss es sich auf der anderen Seite um ein Wappen der Herren van Raesfeld handeln, die seit 1358 Besitzer der Herrlichkeit Ostendorf waren. Da sich der hiesiege Sandstein schlecht bearbeiten lässt, ist das Wappen vermutlich reduziert wiedergegeben.
Herrlichkeit Lembeck
Schlossherren:
Herren von Lembeck
ab 1526 : Herren von Westerholt
ab 1708 : Grafen von Merveldt
Herrlichkeit Ostendorf
Sie umfasste das Gebiet der Gemeinde Lippramsdorf bis 1975.
"Im Jahre 1358 übernahm Johann von Raesfeld Haus und Freiheit... Die Familie von Raesfeld blieb über 400 Jahre im Besitz der Wasserburg. Durch Konkurs fiel das Rittergut im Jahre 1825 dem Grafen August Ferdinand von Merveldt zu Lembeck zu."
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Ostendorf
Archivalischer Beleg
Abgedruckt in:Der Raum Lippramsdorf: Beiträge zu seiner Geschichte. Marl 1982. S.188-119
Nach einer Eintragung vom 2. Dezember 1564 wurde ein "Zwist zwischen Aldolpf von Raesfeld und Herrn über Ostendorf und Bernd von Westerholt Herrn zum Lembeck über die Grenzen der Ranstroper und der Wulfener Marken beigelegt durch Vermittlung des Hermann von Westerholt zu Westerholt und des Drosten von Ense zu Stromberg. Es wurde der Grenzstein gesetzt zwischen Bockholts und Ullenbroiks Habe, und dann sollte auf der Ranstroper Seite in der Mark die Hoheit und Herrlichkeit des Hauses Ostendorf sich erstrecken und auf der Wulfener seite die des Hauses Lembeck, doch in allen wegen den 'Nachspuren und Durffen ir gemeine nachspurlich Hoede vorbehalten'. "
(Anm.: Ranstrop=plattdeutscher Name für Lippramsdorf)
Schlussfolgerung
Es handelt sich bei den 4 Steinen um Markierungen einer 1564 festgelegte Grenze zwischen der Herrlichkeit Lembeck und der Herrlichkeit Ostendorf. Von 1816 bis 1929 war sie auch Grenze zwischen dem Kreis Recklinghausen und dem Kreis Coesfeld. Noch bis 1975 bildete sie die Grenze zwischen den Gemeinden Wulfen und Lippramsdorf. Seit der kommunalen Neuordnung befindet sie sich vollständig auf dem Gebiet der Stadt Dorsten.
Schnurgerade Grenzen sind ungewöhnlich. In diesem Heidegebiet befanden sich demnach keine Höfe und Felder, sondern nur die gemeinschaftlich genutzten Marken.
Die Steine (1) und (2) sollten als bedeutsame historische Objekte an ihren (abgelegenen) Standorten als Denkmal geschützt werden. Für den translozierten (3) sollte ein Platz im Siedlungsbereich gesucht werden, wo er als Zeitzeugnis aufgestellt wird. (Heimathaus am Rhönweg?, am Wappenbaum?, vor dem Eingang des Archivs des Heimatbundes?)
Was tun / offene Fragen
- Steine vermessen
- Steine fotografisch noch besser dokumentieren
- Raesfelder Wappenmuster verifizieren
- Archivsignatur der Archvalie ermitteln
- Wo den Mergen'schen Stein aufstellen?
- Denkmalschutz?
- Ist der "Dicke Grenzstein" noch vorhanden
- Gibt es eventuell noch weitere Steine zwischen 1 und 2 ?
- Publikation im nächsten Jahrbuch
Literatur
- Der alte Grenzstein zwischen Wulfen und Lippramsdorf / Paul Lippik. Heimatkalender 1927, S.46-47 (im Wald, kann sich also nicht auf den Stein bei Hof Uhlenbrock beziehen)
- Von Marken, Schnatgängen und historischen Grenzzeichen in Wulfen / Willi Duwenbeck. Heimatkalender 2003, S.137-140
Siehe auch


